Gedanke des Tages

Sagen Sie Ja zur Fülle

In Zeiten großer Herausforderungen sind wir manchmal am Ende unserer Kräfte. Wir müssen so vieles entbehren. Ja, manchmal auch materiell.
Kommen dann wieder bessere Zeiten kann es sein, dass wir es nicht wagen, das Gute im Überfluss anzunehmen was uns zuteil wird. Wir können gar nicht glauben, dass alles wirklich für uns sein soll. Absurderweise haben wir uns so sehr an Mangel und Bedürftigkeit gewöhnt, dass wir diesen Zustand als normal ansehen. Wir meinen dann vielleicht, wir hätten etwas falsch gemacht und Erfolg und Wohlstand hätten wir nicht verdient. So viel Glück steht mir doch gar nicht zu! Wie soll ich denn jetzt damit umgehen, dass ich nicht jeden Monat bangen muss, ob ich die Miete zahlen oder mir mein Auto/Haus/Lebensmittel leisten kann.

Hier stellt uns das Leben vor die Aufgabe, den Reichtum, die Fülle anzunehmen und zu genießen. Wir brauchen im Leben beides: geben und nehmen. Nehmen Sie! Genießen Sie! Teilen Sie mit anderen. Erfreuen Sie sich an dieser Pracht und  seien Sie dankbar.

Lebensmitte für Fortgeschrittene


Lieber Mensch so um die Fünfzig,

wenn Sie bereits in Ihrer (gefühlten) Lebensmitte angekommen sind und sich mittendrin befinden sind Sie umzingelt von einem Komplex an Themen. In meinem letzten Artikel bin ich darauf eingegangen, wo die Fallstricke lauern.

Heute soll es darum gehen, was Sie tun können, was Ihnen helfen kann, gestärkt und gewandelt aus dieser Phase herauszutreten. Das ist es nämlich, worum es im Grunde geht. Wir haben nicht mehr alle Zeit der Welt. Aber wir wissen viel mehr was wir wollen, sind gelassener.

Die Wechseljahre

Sie sind für mich der Übergang zur großen gereiften Persönlichkeit. Manchmal werden sie als die zweite Pubertät bezeichnet. Da ist viel Wahres dran. Genau so wie wir uns der Pubertät nicht entziehen können – und auch nicht sollen – kommen wir um diese Jahre nicht herum. Sie sind enorm wichtig, denn sie bringen mit sich, dass in allen Lebensbereichen noch mal so richtig aufgeräumt wird. Gehen Sie dem nicht aus dem Weg.

Achtung, Männer: auch Sie sind betroffen. Natürlich könnten Sie mit Hormongaben die Beschwerden eindämmen. Ich plädiere jedoch dafür, es nicht zu tun. Je bewusster Sie diese kostbare Zeit erleben umso mehr können Sie über sich und Ihren weiteren Weg erfahren. Beobachten Sie, was mit Ihnen und Ihrem Körper geschieht. Welche Veränderungen stellen Sie fest? Wie geht es Ihnen mit Ihrer Weiblichkeit, Ihrer Männlichkeit? Was finden Sie am anderen Geschlecht jetzt attraktiv?

Die Gesundheit

Wenn Sie mit ernsthaften gesundheitlichen Symptomen zu tun haben, gehen Sie nicht leichtfertig darüber hinweg. Ihr Körper will Ihnen signalisieren, dass Sie nicht so weiter machen können wie bisher. Kümmern Sie sich darum. Manchmal haben Sie vielleicht gar keine andere Wahl, weil ein Bandscheibenvorfall, eine Organ- oder eine Krebserkrankung Sie ans Krankenbett fesselt und Sie dadurch zwingt, „damit“ aufzuhören. So eine Erkrankung hat immer auch mit Ihrem gesamten Leben zu tun. Ich habe oft beobachtet, dass Menschen nach einer überstandenen schweren Krankheit ihrem Leben eine völlig neue Richtung geben. Das scheint mir auch der eigentliche Sinn zu sein.

Nehmen Sie sich auch hier ernst. Machen Sie sich bewusst, wie Ihr Leben bisher verlief, wo Sie eventuell faule Kompromisse eingingen oder was Ihnen in anderer Weise nicht gut tat. Haben Sie Ihre Energien immer für andere eingesetzt? Gibt es zu wenig Pausen in Ihrem Leben?

Die Partnerschaft

Etwa in der Lebensmitte werden die Kinder das Nest verlassen. Das ist für viele Paare der Punkt, an dem sie sich ansehen und eine Entscheidung treffen. Entweder lernen sie sich noch einmal neu kennen und finden heraus, was sie jetzt miteinander verbindet. Was wollen sie nun gemeinsam tun? Wie gestalten sie ihre Partnerschaft? Die zweite Variante ist eine Trennung. Und in der Tat lassen sich immer mehr Paare um die Silberhochzeit herum scheiden. So eine Trennung ist natürlich immer ein mutiger Schritt. Aber mit dem alten Partner auf neuer Ebene zusammen zu finden ist genau so ein Abenteuer. Lassen Sie sich nicht auf faule Kompromisse ein. Im hohen Alter sind Sie aufeinander angewiesen. Und glauben Sie nicht, dass alte Konflikte in Altersmilde verschwinden, ganz im Gegenteil. Möchten Sie mit diesem Mann/ dieser Frau wirklich alt werden? Seien Sie da unbedingt ehrlich zu sich. Es geht hier um wirkliche Verbindung.

Die Familie

Sie werden Großeltern. Ach du liebe Güte! Für manche ist die Rolle als „Oma“ oder „Opa“ ziemlich ungewohnt. Genießen Sie es!

Wenn Ihre Eltern pflegebedürftig werden stehen Sie vor einem riesigen Komplex ungelöster (und manchmal ungeahnter)Probleme. Hier kommt mein ganz praktischer Tipp: Sprechen Sie mit Ihren Eltern so lange es noch geht über Sterbeangelegenheiten. Lassen Sie sich unbedingt eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung machen. Beides erleichtert Ihnen im Ernstfall sehr viel, öffnet Türen und verhindert, dass vollkommen fremde Menschen (z.B. bestellte gerichtliche Vormunde) über das Wohl und Wehe Ihrer Eltern entscheidet. Viele scheuen sich davor. Suchen Sie sich Rat und Hilfe.

Von diesen Formalitäten abgesehen kann Ihnen diese Pflege einiges abverlangen. Auch hier gilt: Werden Sie sich bewusst, was Sie tun möchten und wo Ihre Grenzen sind. Viele werden quasi zu den Angestellten ihrer Eltern. Das müssen Sie nicht. Planen Sie Pausen unbedingt ein und nehmen Sie Hilfe in Anspruch.

Der Beruf

Interessanterweise gibt es bei vielen Menschen um die Fünfzig noch einmal eine berufliche Veränderung. Meist sogar aktiv selbst herbeigeführt. Hausfrauen ergreifen wieder einen Beruf, Angestellte machen sich selbständig oder wechseln in eine vollkommen andere Branche. Es gibt auch den umgekehrten Fall. Kürzlich arbeitete ich mit einer Klientin, die die Verantwortung als Unternehmerin nur noch als Belastung empfand. Die Kunden, die Mitarbeiter, die betriebswirtschaftlichen Aufgaben, die gesetzlichen Bestimmungen – alles wurde ihr zu viel. Gemeinsam erarbeiteten wir ihre Erfolgsstrategie. Und wie sah die aus? Tja, sie ist nun als Springer bei ihren ehemaligen Mitbewerbern tätig, lebt viel ruhiger und kann nebenher einen langgehegten Traum verwirklichen: sie lernt Fallschirmspringen.

Für all diese Themen gibt es einige Tipps, die ich Ihnen hier zusammenfasse:

  1. Akzeptieren was ist

    Das ist der erste und wichtigste Schritt. Denn Sie können noch so viel versuchen, das Altern lässt sich nicht aufhalten. Haben Sie auch schon mal beobachtet, welche lächerlichen Auswüchse das krampfhafte Jungseinwollen haben kann? Es geht hier nicht darum, sich nicht modisch zu kleiden oder aktiv etwas für sein körperliches Wohlbefinden zu tun. Dennoch werden Sie festgestellt haben, dass manche Ihrer Kleidungsstücke unabhängig von der Konfektionsgröße einfach nicht mehr zu Ihnen passen wollen. So ist es auch mit inneren Haltungen, Ansichten und bestimmten Situationen Ihres Lebens.
    Manchmal fühlt sich die Lebensmitte fad an, wie Herbst. So ist es.
    Rechnen Sie damit, dass Menschen aus Ihrem Leben verschwinden werden. Ähnlich manchen Kleidungsstücken scheinen sie nicht mehr zu passen. Auch das ist oft sehr schmerzhaft.

  2. Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für einen Check up

    Mindestens einmal jährlich rate ich Ihnen dazu, die wichtigen Bereiche Ihres Lebens einer Revision zu unterziehen. Dazu braucht es Zeit und Stille. Gestatten Sie sich selbst eine wertvolle Auszeit. Ob Ihnen dazu ein Tag genügt, ein Wochenende oder mehr, das müssen Sie selbst herausfinden. Wichtig ist, dass Sie entweder wirklich allein sind oder sich selbst einen professionellen Begleiter gönnen der Sie in Ihrer Weise unterstützt. Das ist oft sehr effektiv, bringt schnellere Ergebnisse und spendet genug Stoff zum reflektieren und dranbleiben. Wie sieht es aus in Ihrer Partnerschaft? Was machen Ihre beruflichen Ziele? Haben Sie genügend Freiraum für sich? Fühlen Sie sich gesund? Ernähren Sie sich gut? Welche Träume und Visionen möchten Sie sich noch erfüllen? Welche Schritte können Sie dazu tun? Wo haben Sie eventuell etwas versäumt?
    Am besten gelingt Ihnen dieser Check up wenn Sie wie ein neutraler Beobachter die einzelnen Aspekte betrachten. Ohne Wertung, ohne Beurteilung. Einfach nur wahrnehmen was in Ihnen lebendig werden möchte. Widerstehen Sie bitte allen Versuchen, sich selbst Vorwürfe zu machen. Schauen Sie mal was Sie bereits alles gemeistert haben in Ihrem Leben!

  3. Schreiben Sie

    Ein nützlicher Begleiter ist ein Tagebuch. Dort schreiben alles hinein was Sie so umtreibt. Wichtig dabei ist, dass Sie sich in keinster Weise zensieren. Sie wollen damit weder an die Öffentlichkeit noch den Literatur-Nobelpreis gewinnen. Sehen Sie es als so eine Art seelischen Mülleimer. Sie dürfen Ihre bisherigen Überzeugungen hinterfragen, sich beschweren, lamentieren, jammern, Ideen kreieren. Nehmen Sie sich täglich Zeit dafür. Die besten Erfahrungen haben meine Klienten wenn Sie sich angewöhnen, morgens 30 Minuten eher aufzustehen und sofort zu schreiben beginnen.

  4. Spielen Sie

    Machen Sie möglichst oft Dinge, die Sie noch nie getan haben. Oder brechen Sie mit Gewohnheiten. Das muss gar nichts großes sein. Nehmen Sie einmal einen anderen Weg zur Arbeit oder fahren Sie Bahn statt Auto. Sprechen Sie mit Menschen die Sie nicht kennen oder putzen Sie sich die Zähne mit der linken Hand. Wenn Sie schon Enkel haben fällt Ihnen das spielen möglicherweise leichter

  5. Lassen Sie sich helfen

    Ich höre ganz oft den Satz „Ach, das schaffe ich alleine.“ Das Ende vom Lied ist häufig Erschöpfung, Krankheit oder gar Depression. Mir scheint, ein Arztbesuch mit einer Diagnose und den entsprechenden Medikamenten oder mal einer Physiotherapie ist da das Mittel der Wahl. Immerhin ist Aufopferung ja auch gesellschaftlich anerkannt. Jammern und sich beklagen ist wohl manchmal einfacher als etwas zu verändern. Jemand der wirklich zu sich steht und entscheidende Änderungen in seinem Leben vornimmt ist für seine Mitmenschen oft unbequem. Hält er ihnen doch den Spiegel vor und zeigt ihnen, dass sie es ebenfalls könnten.
    Ich plädiere hier ausdrücklich dafür, diesen Weg Ihrer Lebensmitte mit einem kompetenten Partner zu beschreiten.

Hilfe in Anspruch zu nehmen zeugt von Verantwortung für sich selbst. Sich in einer Lebenskrise zu befinden ist noch lange keine Krankheit. Es gehört schlicht und einfach zum Leben dazu. Krisen lassen uns reifen und erstarken.

Bis zum nächsten Werkstattgeplauder

Ihre Elke Möckel